Sticky affection

Eine Zeitschrift bezeichnete Paris kürzlich als "Mekka für Gräbertouristen" und tatsächlich liest sich das Verzeichnis des Friedhofs Père Lachaise wie ein epochen- und spartenunabhängiges "who is who" europäischer Kulturgeschichte. Wilde, Chopin, Molière, Piaf und Modigliani finde ich schnell, manch anderen eher zufällig und an Jim Morrisons Grab laufe ich erst zweimal vorbei. An diesem sommerlich heißen Montagvormittag keine Spur von Althippies, die mir den Weg weisen, Lieder anstimmen oder ihrem Idol mit Drogen- und Alkohlexzessen huldigen würden, wie es in der Vergangenheit schon häufiger vorgekommen sein soll. Lediglich der Kaugummibaum neben dem Grab ist stummer Zeuge klebriger Hingabe. Die sieht man in rosarot auch bei Osar Wilde. Sein Grab war mit tausenden Lippenstift-Küssen von VerehrerInnen übersät, bis es vor einigen Jahren gereinigt und mit einer Glasplatte geschützt wurde. Jetzt wird eben die gläserne Wand geküsst.

 

Ein Anflug von Wehmut und Andacht - für einen Moment fühlt es sich an, als seien diese außergewöhnlichen Menschen erst durch ihre Sterblichkeit real geworden und gleich wieder verloren gegangen. [c]

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