Stehauftierchen

Neulich schrieb ich eine Email. Das ist an sich nichts Besonderes. Besonders war nur, dass ich bis zum ersten Absatz bereits zweimal von einer Stubenfliege massiv gestört wurde. Genauer: jeweils einmal von zwei Fliegen. Bei Absatz drei waren es bereits vier und noch bevor Absatz vier fertig gestellt war (Nummer fünf), ging ich entnervt zum Mülleimer, um zu prüfen, ob die vier von mir bereits erklatschten Fliegen wirklich noch da oder vielleicht doch auf wundersame Weise auferstanden waren.

 

Stubenfliegen machen auf mich generell keinen intelligenten Eindruck. Verfliegt sich eine Wespe in einen Raum ist sie meist in der Lage, diesen auch wieder zu verlassen - sogar durch ein geklapptes Fenster. Stubenfliegen hingegen finden nicht mal aus einem Zimmer mit fünf großen, weit geöffneten Fenstern und entsprechenden Wedel-Signalen hinaus. Stubenfliegen bleiben lieber drinnen - möglicherweise kommt ihr Name daher. Meine Recherche ergibt, dass ihre tatsächlich mindere Intelligenz durchaus einen Sinn hat. Schweizer Forscher entdeckten, dass klügere Fliegen (kein Scherz!) eine um etwa ein Drittel kürzere Lebenszeit aufweisen als dümmere Artgenossen.

 

Da ich davon ausgehe, dass der Versuch meine Email mitzulesen auf eine gewisse Intelligenz zurückzuführen ist, hat sich das Schweizer Experiment in meinem Arbeitszimmer auf eindrucksvolle Weise bestätigt. Über Auferstehung von Fliegen habe ich bei meinen Recherchen allerdings nichts gefunden. Und tatsächlich befanden sich auch die vier Stubenfliegen von Absatz drei noch im Mülleimer. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass ich am Ende der Mail insgesamt sechs intelligentere Exemplare beseitigt hatte. Eigentlich waren es sieben, aber das würde mir ohnehin niemand glauben. [c]

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