Wolkengucken

Gegründet wurde sie 2004 vom Briten Gavin Pretor-Pinney: die Cloud Appreciation Society - die Vereinigung der Wolkenfreunde. Mehr als 42.000 Mitglieder weltweit hat der Verein heute - Tendenz steigend. 

Die CAS hat sich zum Ziel gesetzt, den Wolken endlich eine Lobby zu geben und, so steht es im Manifest auf ihrer Webseite, Front zu machen gegen das allgegenwärtige Blaue-Himmel-Denken: „Ich finde es schade, dass Urlaubsorte oft damit beworben werden, dass der Himmel immer blau ist. Ein blauer Himmel wird zur Metapher für Glück - als wäre nur ein Ort ohne Wolken geeignet, um es sich gut gehen zu lassen“, so Pretor-Pinney im Zeit-Interview.

Irgendwie hat er ja Recht. Auch mich macht durchgängig blauer Himmel spätestens nach ein paar Tagen nervös – er wirkt so… unbelebt. Gut, mit Stratus tue ich mich auch schwer - das ist per Definition eine „durchgehend graue Wolkenschicht mit ziemlich einförmiger Untergrenze, aus der Sprühregen, Eisprismen oder Schneegriesel fallen können“. Aber Schönwetterhaufenwolken, so die offizielle Bezeichnung, die mag ich.

 

Die Wolkenklassifikation geht auf den Quäker Luke Howard zurück, der 1802 Wolken in die Familien Stratus (Schichtwolken), Cumulus (Haufenwolken), Cirrus (Schleierwolken) und Nimbus (Regenwolken) einteilte. Diese Ordnung hat die World Meteorological Organization als Grundlage übernommen und im "Internationalen Wolkenatlas" verzeichnet. Die vier Wolkenfamilien mit zehn Gattungen lassen sich wiederum in 27 Wolkenarten unterteilen und dann noch einmal in Unterarten aufgliedern. Man ahnt schon: Menschen, die auf Wolken starren, haben viel zu gucken.

 

Wolken machen selten das, was man von ihnen erwartet – auch das finde ich persönlich sympathisch. Deswegen, so fachsimpeln die professionellen Wolkenbeobachter, muss man sich dort auf sie einlassen, wo man gerade ist, seine Beobachtungen in den Alltag integrieren. Die Kunst bestehe darin, innezuhalten und den Moment zu genießen.

Das bewusste Wahrnehmen der Wolken tue der Seele gut, meint Gavin Pretor-Pinney und er gibt zu, dass es beim Wolkenbeobachten im Grunde vor allem darum gehe, für ein paar Minuten oder Stunden einfach nichts zu tun. Finde ich gut. Auch ohne Verein. [c]

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