Lametta

Ach, Weihnachten. Nein, ich werde hier nicht über Liebe, Familie, Konsum, Erwartungen, Essen oder Sinnentleerung schreiben. Stattdessen über Lametta.

 

„Früher war mehr Lametta“, fand schon Opa Hoppenstedt 1978 im Weihnachtssketch von Loriot. Und diese Entwicklung bestätigt auch ein Sprecher des Bundesverbandes für den gedeckten Tisch, Hausrat und Wohnkultur e.V. (nee, habe ich mir nicht ausgedacht): „Lametta ist derzeit völlig out.“

 

Na gut, wirklich nachhaltig sind die Glitzerfäden eben nicht und, wie ich auch gelesen habe, können sie sogar tödlich sein. Zumindest für neugierige Katzen, die sie für essbares Spielzeug halten.

 

2015 hat der letzte deutsche Hersteller die Lametta-Produktion beendet. Das Unternehmen war im fränkischen Roth ansässig, dem ehemaligen Zentrum der sogenannten Leonischen Industrie, die Erzeugnisse aus feinsten Gold, Silber- oder Kupferdrähten herstellt. Diese Leonischen Waren werden vor allem für Dekorationen - Stickereien, Bänder, Borten und Tressen - für sakrale Volkskunst oder für kunstgewerbliche Gegenstände wie eben Christbaumschmuck verwendet. Mit dem Ende der Lametta-Produktion endete in Roth auch diese langjährige Wirtschaftstradition, aber wer zufällig im Fränkischen ansässig oder dort unterwegs ist, kann sich im örtlichen Fabrikmuseum über diesen Aspekt der Industriegeschichte informieren. Allerdings erst wieder ab März 2018 - im Moment ist Winterpause.

 

Und damit zurück zum Lametta. Die Roth’schen Restbestände sind vermutlich mittlerweile aufgebraucht und den Flitter gibt’s damit nur noch aus chinesischer Produktion. Überhaupt wird heutzutage der größte Teil des weltweit verkauften Weihnachtsschmucks in China hergestellt. Auch im fernen Osten selber ziehen Jingle Bells und X-mas Käufer an - klar, dass man dort ohne zu zögern auf den Konsumzug aufgesprungen ist, obwohl es keinerlei religiöse oder traditionelle Anbindung an das Fest selber gibt. Und schwupps, bin ich bei der Sinnentleerung. Zeit also, mit diesem Drumherum aufzuhören und mich Liebe, Familie und Essen zu widmen. Ganz ohne Erwartungen. Frohes Fest! [c]

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